Die Schlange, das Paradies, die Geschichte von der Welt, die zerfällt ...oder… als die Tiere in die Geschichte der Menschen kamen, und welche Transformationen sie annahmen

Veröffentlicht am 26. März 2023 um 13:37

Es war einmal ein Mann, der dafür verantwortlich war, dass meine Tochter ungetauft blieb. Da war ebenso ein Mann, der mir beibrachte, dass wir eng-sitzende Jeans im Hochschulkontext doch nur anziehen, damit wir dem besseren Bild der Rolle von Körperlichkeit und Status entsprechen. Wer würde das schon freiwillig tun, wenn er oder sie spürt, wie gut es sich anfühlt, sich nicht an vorgegebene Konventionen zu halten oder sich danach anzuziehen.

Da war jener Mann, dem ich beim Pizzaessen beim Lieblingsitaliener stets im Jogginganzug als Künstlerin begegne.

Da gibt’s den Mann, der mich doch wieder dazu brachte, die engen, unbequemen Hosen im Hochschulkontext anzuziehen und mich an ihnen zu erfreuen.

Da gibt es die Musen und das Paradies.

Da gibt es einen, und noch einen, Mann. Die mich darüber nachdenken ließen, ob ich gläubig bin. Jahre später, gab es den Mann, der meine Worte, dass ich keinen Zitter-Aal brauche, akzeptierte. Weil dem Animalischen sonst die Felle davonschwimmen. Und dieser Mann, und noch ein anderer, bringen mich wieder und wieder zurück zu meinen existenziellen Grundfragen meines Glaubens. Ausgelöst durch die Schlange. Die Schlange.

Verführung, Vergeltung, Göttin, Hinterlist und Lebenswunder. Sie kann heilen und töten zugleich. Sie kann angreifen. Sie kann verteidigen. Sie kann täuschen und tarnen. Sie kann sich anschmiegen, dich faszinieren.

Der Mann, der mich dahingehend beeinflusste, meine Tochter ohne Bekenntnis, dafür mit dem Glauben an sich selbst, an den Mond, an die Sterne und an die Blumenwiesen, heranwachsen zu lassen, ließ auch mein Bild in Hinblick auf die Schlange völlig kopfstehen: Was macht es mit uns Menschen, wenn wir einer Geschichte glauben, die besagt, dass es schlecht ist, wenn Adam und Eva im Paradies, ohne enge Jeans, ja nicht mal Jogginghosen hatten sie an, sich einfach so den Tagträumen hingeben. Sich treiben lassen vom Hier und Jetzt und Gutgefühlen. Nur einander zugewandt und nicht weiterdenkend. Wer das gutheißt, der wird auch der Schlange zum Opfer fallen. Baum der Erkenntnis, süße Früchte der Versuchung. Ausschluss aus dem Paradies. Zerstörung der Welt.

Schon beeindruckend, wie es religiösen Weltherrschaften gelungen ist, mit so simplen Symbolen und Metaphern die Regeln ganz klar darzulegen. Der Glaube an das Böse und das Gute. An das Gute und das Schlechte. An das Schwarze und das Weiße. FUNdaMENTAL.

Ich wende mich in meiner imaginären Seifenblasen-Welt lieber jenen Prozessen mit FUN zu, welche meine MENTALen Vorgänge vorantreiben.

Es liegt doch längst zu viel Staub auf den Kirchen, welche aufrichtig eher von jenen besucht werden, die in der Stille einfach nur ihre Seele hören wollen. Nicht gesagt bekommen wollen, was sie zu tun hätten oder warum sie schuldig sein sollen laut Schlangenrichter.

Da ist er also, der eine Mann, und der andere. Der Zitter-Aal ist befreit vom Revier-Kampf. Weil es selbst im lustigsten Spiel zu erkennen gilt: einmal gewinnt man, einmal verliert man. Nichts kann ewig auf einem Platz bleiben, worin Leben wohnt. Und so lässt der Zitter-Aal sich treiben in den Wellen des Lebens. Stromschläge unter Wasser werden ersetzt durch flinke, schlängelnde Bewegungen der Überlebenskünstlerin an Land.

Die Frage ist nur: Hast du Angst vor der Schlange?

Meine Tochter hält bereits im Alter von drei Jahren eine Königspython in Händen. Angstfrei. Dafür von einer herzoffenen Tierpflegerin empathisch und emanzipatorisch überreicht. Mittlerweile sind im Kinderzimmer meiner Tochter ziemliche viele Schlangen vorrätig: verschieden Farben, Größen, Gattungen, Materialien. Ein Schlangen-Paradies vielleicht.

Welche Menschen- und Weltbilder kreieren wir, wenn wir die Geschichte von Adam und Eva im Paradies umschreiben? Wenn es dort mehr Menschen gibt, als nur die beiden? Wenn es keine existenzielle Bedrohung gibt, die alles zu zerstören droht, wenn man sich nur dem Regelbrechen annähert? Ist das Paradies dann automatisch straffällig? Herrscht dann Anarchie? Verlieren wir uns dann im Niemandsland?

 

Bleiben wir doch bei unseren Wurzeln, den Bäumen, den Ästen, den Kronen. Den blauen Himmeln. Der strahlenden Sonne. Den weißen Wolken.
Dem Paradies auf Erden.

Autorin und Copyright: Daniela Gaich